2. Bürgermeister Karl Altmann (Mitte) übergab an Südostbayernbahn-Sprecher Christoph Kraller die Resolution mit 659 Unterschriften zur Verbesserung der Haltezeiten am Anzenkirchener Bahnhof. Mit auf dem Bild von links die Mitinitiatoren der Aktion die Marktgemeinderäte Dr. Edgar Wullinger und Dr. Rudolf Schwetlik, sowie (von rechts) 1. Bürgermeister Walter Czech und Südostbayernbahn-Marketingleiter Wolfgang Jakob.
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Anzenkirchen. 659-mal wurde die von den Anzenkirchener Marktgemeinderäten initiierte Resolution gegen die bei der Rottalbahn eingetretenen Haltebeschränkungen durch den seit 13. Dezember 2009 geltenden Stundentakt unterzeichnet. Die Unterschriftenliste wurde jetzt den Verantwortlichen der Südostbayern-Bahn (SOB) im Trifterner Rathaus übergeben.
1. Bürgermeister Walter Czech begrüßte hierzu SOB-Sprecher Christoph Kraller und SOB-Marketingleiter Wolfgang Jakob, 2. Bürgermeister Karl Altmann sowie die Marktgemeinderäte Dr. Edgar Wullinger und Dr. Rudolf Schwetlik. Letztere hätten zusammen mit ihren terminlich verhinderten Kollegen Josef Altmannshofer und Hans-Peter Bauer die Unterschriftenaktion auf den Weg gebracht und diese innerhalb von zwei Wochen zu dem überaus ansehnlichen Ergebnis von 659 Unterzeichnern geführt, lobte der Bürgermeister deren Engagement.
Diese Zahl spiegele den deutlichen Unmut in der Bevölkerung des 1.000-Einwohner-Ortes Anzenkirchen und auch des den SOB-Haltepunkt Anzenkirchen nutzenden Umlands wieder, wurde von Karl Altmann bei der Übergabe der Unterschriftenliste an Christoph Kraller angemerkt. Die Errungenschaft des neuen Stundentakts der Rottalbahn gehe an der Haltestelle Anzenkirchen größtenteils an den Bedürfnissen der Reisenden, Pendler, Schüler und Senioren vorbei. Man brauche Züge, die zu „normalen Zeiten“ und nicht zu mitternächtlicher Stunde in Anzenkirchen halten würden.
Diesem Vorgehen der SOB wolle man, so der 2. Bürgermeister weiter, mit dieser Unterschriftenaktion nachdrücklich widersprechen. Zugleich werde die SOB damit aufgefordert, die Bedarfshalte während des Tages dem Stundentakt anzugleichen.
Diesen Wunsch werde man generell nicht kurzfristig erfüllen können, stellte SOB-Sprecher Kraller fest. Er verwies aber darauf, dass bereits ab 1. Februar eine Verbesserung auf Initiative des Marktes Triftern herbeigeführt worden sei, mit den zusätzlichen Bedarfsstellen um 12.37 und 19.36 Uhr in Anzenkirchen (wir berichteten).
Christoph Kraller hob bei dieser Gelegenheit auch die Vorzüge des auf Bestellung der Bayer. Eisenbahngesellschaft (BEG) von der SOB eingeführten Stundentaktes hervor. Seither habe sich die Zahl der Züge verdoppelt und auch spätabends und am Wochenende bestünden nun regelmäßige Fahrtmöglichkeiten zwischen Mühldorf, Pfarrkirchen und Passau. Aufgrund der knappen Fahrzeit zwischen den Begegnungsstellen in den Bahnhöfen Pfarrkirchen und Pocking wäre dieses stündliche Zugangebot aber nur möglich, wenn einzelne Stationen - wie bisher - nur im Zwei-Stunden-Takt bedient werden.
Der BEG, der SOB und auch dem Landkreis Rottal seit es Kraller zufolge wichtig gewesen, bereits so früh wie möglich mit dem Stundentakt zu starten: „Wir wollten nicht warten, bis die Modernisierung so weit fortgeschritten ist, dass wir an allen Stationen stündlich halten können.“ Auch in Anzenkirchen habe die Zahl der Zughalte um 25 Prozent ausgeweitet werden können. Seit Dezember 2009 würden jetzt 25 Züge werktäglich in Anzenkirchen halten, so der SOB-Sprecher.
Bürgermeister Czech und die Anzenkirchener Marktgemeinderäte zeigten sich mit diesem allgemeinen Statement speziell für die Anzenkirchener Situation nicht zufrieden. „Dem Stundentakt haben wir mit großen Erwartungen und als Anreiz zu vermehrten Bahnfahrten entgegengesehen“ wandte sich Dr. Edgar Wullinger an die SOB-Verantwortlichen. Dieses Ergebnis habe sich jedoch nicht eingestellt, wenn man den Fahrplan für den Haltepunkt Anzenkirchen anschaue. Es würden zu viele Züge zu den entscheidenden Tageszeiten nicht halten. Ins selbe Horn stieß auch Dr. Rudolf Schwetlik. Seiner Meinung nach würde die Rottalbahn wohl kaum mit durchfahrenden Zügen an Attraktivität gewinnen.
SOB-Marketingleiter Wolfgang Jakob klärte dazu auf, dass die Crux in der Eingleisigkeit der Rottalbahn mit nur vier Begegnungsbahnhöfen liege. Hieraus würden sich gewisse „betriebliche Zwänge“ ergeben, die letztlich auch „Schuld“ an der Anzenkirchener Fahrplangestaltung hätten. Man wolle dieses Thema aber auch nicht kleinreden, schaltete sich SOB-Sprecher Kraller ein. „Wir nehmen das Anliegen der Anzenkirchener Bevölkerung sehr ernst“. Was man daran sehen könne, dass man diesen Übergabetermin wahrnehme, dessen Erörterungsgespräch auch Gelegenheit sei, den Wunsch nach zusätzlichen Zughalten in Anzenkirchen bei der nächsten Überarbeitung des Fahrplans im Auge zu behalten.
Die Anzenkirchener könnten selbst einen Beitrag dazu leisten, indem sie die Rottalbahn noch besser nutzen würden. Mit 32 Einstiegen je Werktag im Jahre 2009 zähle Anzenkirchen zu den schwächer frequentierten Bahnhöfen, fasste der SOB-Sprecher zusammen.
Auch 1. Bürgermeister Walter Czech richtete bei seinem Schlusswort den Blick in die Zukunft. Wenn es gelingen würde, dass kein Zug weiter in Anzenkirchen durchfahre, sondern diese Station eine komplette Bedarfshaltestelle im Stundentakt der Rottalbahn wäre, dann könnte man auch aus gemeindlicher Sicht vollauf zufrieden sein. Immerhin habe der Markt Triftern zu der 85.000 Euro kostenden Neugestaltung dieses Haltepunktes im Jahre 2007 über 10.000 Euro beigesteuert.