150 Jahre Engel-Apotheke ist ein Stück Marktgeschichte
Von Edwin Reiter
 
Triftern. Die mittlerweile 630-jährige Geschichte des Marktes hat die Engel-Apotheke am Oberen Markt ein gehöriges Stück mitgeschrieben. In diesem Jahr kann sie auf ihr 150-jähriges Bestehen zurückblicken.
Ein solches Jubiläum ist gebührender Anlass in den Annalen der Apotheke zu blättern, die Anfang des Jahres 1868 eröffnete, aber bereits am 26. Juni 1867 von der Regierung von Niederbayern die Errichtungs-Genehmigung erhalten hatte. Diese war an die bemerkenswerte Bedingung geknüpft, dass der erste Inhaber der Apotheke, Franz von Streber, die Kaufmannstochter Auguste Schmid aus Landshut heiratet.
Neben der Erfüllung dieser Vorgabe musste auch noch das örtliche Gremium der Gemeindebevollmächtigten seinen Segen dazu geben. In einem einzigen Monster-Satz mit 129 (!) Worten erging ein Zustimmungsbeschluss, der damit endet, dass durch das Vorhandensein einer Apotheke „dem Publikum ein bedeutender Vorteil zugeht“.
Zerpflückt man diesen Schachtelsatz, so wird daraus verständlich, dass die Errichtung einer Apotheke in Triftern nicht allein von der Bürgerschaft, sondern auch von der umliegenden Landbevölkerung längst als Bedürfnis erachtet worden war.  Dies deswegen, weil das „arzneibedürftige Publikum“, soweit dasselbe sich nicht von dem hiesigen praktischen Arzt behandeln ließ, bisher immer seine Medikamente in „entfernten“ Apotheken beschaffen musste.
Unter „entfernt“ wurde in dem Beschluss verstanden, „zwei Stunden zur nächstgelegenen Apotheke in Pfarrkirchen“. Schließlich trafen die Gemeindebevollmächtigen, ein Gremium dem heutigen Marktgemeinderat entsprechend, noch diese Feststellung, dass „anerkannt der Bedarf an Medikamenten ein sehr großer ist und dieser sich bei dem Besitze einer Apotheke daher noch mehr steigert“. 
 
Insgesamt neun Inhaber hat die Engel-Apotheke seit 1868. Nach Franz von Streber (bis
1888), nach dem auch eine Straße in Triftern benannt ist, hat auch der Name von Max Sauter (1897 bis 1926) einen gewissen Bekanntheitsgrad, speziell durch die von ihm hergestellte „Trifterner Salbe“ (siehe Anhang).
Fast sechs Jahrzehnte wurde die Engel-Apotheke vom Namen Haas geprägt. Von 1953 bis 1978 wurde sie von Lieselotte Haas geleitet, ab 1978 zusammen mit ihrer Tochter Inge Liebl-Haas, die dann ab 1992 alleinige Inhaberin wurde. Im Jahre 2012 wurde die Apotheke von Gertraud Roßmeier übernommen, die dort schon seit 1988 als Vertretung tätig war.
Für sie steht auch im Zeitalter der Digitalisierung nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt: „Wir sind Ansprechpartner mit persönlicher Beratung“. Unabhängig davon wird der technische Fortschritt genutzt. Über eine spezielle App können Kunden seit kurzem Nachrichten und Bilder von ihren Bestellungen vom Handy aus senden.
Anlässlich des Jubiläums, so Gertraud Roßmeier weiter, gebe es wechselnde Angebote. Außerdem würden zwei Vortragsveranstaltungen (10. Oktober und 21 November über Heilkräuter bzw. Homöopathie im Pfarrzentrum) sowie eine Jubiläumsfeier für das Apothekenteam stattfinden. Dabei wird sicher auch die kaum zu glaubende, aber wahre Geschichte des Trifterner Apothekerdackels (siehe Anhang) vorgetragen werden.
 
Bildtext:
Bild 1:
Vor dem dominanten Gebäude der Engel-Apotheke am Oberen Markt hat sich so manches
öffentliche Ereignis zugetragen. Das Bild erinnert an einen Ausflug im Jahre 1975 der damaligen Versehrtensportgruppe Triftern, deren langjähriger Vorsitzender der spätere  Bürgermeister Karl Haas war (10. von links). Mit auf dem Bild seine Frau, Apothekerin Lieselotte Haas (13. von links) und der damalige Bürgermeister Hanns Dobler (links).
 
Bild 2:
Das Team der Engel-Apotheke im Jubiläumsjahr 2018 um Apothekerin Gertraud Roßmeier (3. von rechts) mit ihrer Inhaber-Vorgängerin Inge Liebl-Haas (2. von rechts): stehend von links Theresia Fickler, Sonja Nömer, Inge Rattinger, Stefanie Lang, Ute Dellerer und Annemarie Pfaffinger, sowie (vorne von links) Andrea Wieser und Katja Hager.
Fotos: red
 
ANHANG(Texte jeweils der Chronik des Marktes Triftern entnommen)

Die Trifterner Salbe
Von der Jahrhundertwende bis etwa 1923 wurde durch den Apotheker Max Sauter eine Salbe hergestellt, die bei offenen Füßen Verwendung fand. Sie war zu dieser Zeit so bekannt und erfolgreich, dass sie -wie Rechnungen belegen- in ganz Deutschland und sogar ins Ausland versandt wurden.
Wenn sich in der Folgezeit die Bezeichnung „Trifterner Salb’n“ vielleicht als Beleidigung herausgebildet hat, so ist deren Anfang nur auf Neid zurückzuführen.
Soviel zur Beseitigung eines vermeintlichen Schimpfwortes.
 
Der Apothekerdackel
Der „Apothekerdackel“ war zu seiner Zeit - etwa 1913 bis 1916 – ein höchst moderner Hund. Aus unbekannten Gründen, vielleicht aus Wanderlust, Fernweh oder Zuneigung zu einer Hundedame, trottete der Dackel des Apothekers Max Sauter jahrelang wöchentlich etwa dreimal von Triftern zu der fünf Kilometer entfernten Bahnstation Anzenkirchen.
Dort erwartete er geduldig den fahrplanmäßigen Morgenzug der Rottalbahn von Neumarkt St. Veit nach Passau, stieg ein, fuhr aber nur vier Stationen bis nach Karpfham und kehrte auf demselben Weg mit dem Abendzug zurück.
Die Eisenbahner der Rottalbahn wussten bald ganz genau, dass ein vierbeiniger Schwarzfahrer mit ihnen reiste; aber sie drückten ein Auge zu und ließen ihn gewähren.