Skulpturenmuseum: Die einmalige Finanzierungschance wird genutzt
Von Edwin Reiter
 
Triftern. Die Umnutzung des ehemaligen Gasthauses „Alte Post“ zu einem Skulpturenmuseum nach der Idee von Eigentümer und Investor, dem Trifterner Bildhauer Bernd Stöcker, wird jetzt Wirklichkeit. Nach mehr als zweieinhalb Jahren Entwicklungs-Vorlauf des mit rund 2,8 Mio Euro Kosten veranschlagen Projektes wurde in der Sitzung des Marktgemeinderates am  Mittwochabend  grünes Licht gegeben. Mit 11:8 Stimmen wurde beschlossen, dass sich der Markt am ersten der zwei Bauabschnitte der Gesamtmaßnahme mit einem Betrag von 100.000 Euro beteiligt.
Es war letztlich eine Entscheidung im Sinne von Bürgermeister Walter Czech, der eingangs der über zweieinhalbstündigen Beratung des Tagesordnungspunktes seine Position klar gemacht hatte: „Jeder weiß, dass ich das Vorhaben unterstütze.“ Um das „Ja“ für seinen Beschlussvorschlag herbeizuführen gab es fachkundige Unterstützung von anwesenden Vertretern der Regierung von Niederbayern und dem Landesamt für Denkmalpflege. Diese machten wiederholt mit Nachdruck deutlich, dass man sich die aktuell gegebene „einmalige Finanzierungsmöglichkeit“ im Rahmen des Programms „Innen statt Außen“ mit einer zunächst nur für 2018 gesicherten staatlichen Zuwendung in Höhe von 90  Prozent nicht entgehen lassen sollte.
Erst Ende Juli diesen Jahres hat sich diese Fördersituation eingestellt, wie aus der einführenden Rückschau von Geschäftsleiter Siegfried Schmied über die erstmals im März 2016 auf der Tagesordnung stehende Umwandlung der „Alten Post“ in eine „kulturelle Begegnungstätte“ hervorging. Mehrfach habe sich dann der Marktgemeinderat damit beschäftigt. In der Augustsitzung sei dann mit einer Absichtserklärung die nun zur Abstimmung stehende gemeindliche Beteiligung mit 10 Prozent der Kosten im Wege einer dringlichen Anordnung von Bürgermeister Czech der Regierung avisiert wurde, so Schmied
 
Man stehe nun an einem Punkt, an dem Handlungsbedarf bestehe, leitete Architekt Norbert Paukner seine Präsentation des Vorhabens ein. Bei der aus zwei Gebäudeteilen bestehenden denkmalgeschützten „Alten Post“, dem Haupthaus und einem Stadel, müsse man bei letzterem bald initiativ werden. Ansonsten werde dies in wenigen Jahren zu einem Abbruchobjekt werden. In seiner Präsentation stellte der Planer dann das vorgesehene Nutzungskonzept vor. Unter der Leitschiene „Kunst und Leben“ soll der über 220 Jahre alte Gebäudekomplex, auf drei Säulen orientiert, saniert und umgebaut werden. Zielrichtungen seien dabei Orte der Veranstaltungen, des Dialogs (mit Ausstellungen) und der gestalterischen Tätigkeit.
Weil im Stadel auch die Infrastruktureinrichtungen, wie Heizung, für das Haupthaus untergebracht würden und wegen Baufälligkeit höchster Sanierungsbedarf bestehe, müsse, dem Architekten zufolge dieser als erster Bauabschnitt ausgeführt werden. Mit 1.375.000 Euro sei dieser kalkuliert, den man bei einem Baubeginn Mitte nächsten Jahres im Jahre 2020 fertigstellen könnte.
Wie die Stadelsanierung finanziert werde erklärte danach Oliver Seischab von der Regierung von Niederbayern. An den vorerwähnten Kosten müsse sich Hauseigentümer Bernd Stöcker mit 15 Prozent (= 205.000 Euro) beteiligen. Von dem verbleibenden Betrag von 1.170.000 Euro würden vom Freistaat Bayern im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms 90 Prozent (= 1.055.000 Euro) übernommen. Insoweit ergebe sich für den Markt eine Kostenbeteiligung von 115.000 Euro am BA I. (Anm. der Red: Im Beschluss wurde diese jedoch mit 100.000 Euro festgelegt, ausgehend von den ursprünglich zugrunde gelegten Gesamtkosten von 1.000.000 Euro).
Seischab zeigte auch auf, wie sich die finanzielle Abwicklung bei nur 60 Prozent Zuschuss ausgewirkt hätte. Hier wäre der Markt dann mit einem Anteil von 170.000 Euro dabei gewesen. Eine solche Konstellation könne indes beim zweiten Bauabschnitt eintreten, da die 90 Prozent-Förderung nur für 2018 gesichert sei. Dennoch die optimistische Prognose des Referenten der Regierung: „ Wir glauben und hoffen, dass wir auch in 2019 diesen Fördersatz erhalten“
Ebenso wie Seischab („die Riesenchance 90 Prozent Förderung gibt es nicht alle Tage“) warb auch Lorenz Schröter vom Landesamt für Denkmalpflege intensiv für ein „Ja“ des Marktgemeinderates. Triftern habe mit der „Alten Post“ ein einmaliges Gebäude in der Ortsmitte, wie es in dieser Art in Niederbayern nicht vorzufinden sei. Wenn man jetzt nicht auf den Zug „Skulpturenmuseum“ aufspringe, werde diese Gelegenheit zur Realisierung nicht mehr kommen.

An diese Stellungnahmen schloss sich eine längere Diskussion an, in der es auch um Folgewirkungen aus einem vom Marktgemeinderat in gleicher Sitzung gefassten Grundsatzbeschluss zur Förderinitiative „Innen statt Außen“ ging (wir berichten hierüber noch gesondert). Zu der Anteilsleistung des Marktes am Skulpturenmuseum wollte Mario Einkammerer wissen, ob auch etwaige Kostensteigerungen mit der Förderung abgedeckt würden. Dies sei zutreffend antwortete Oliver Seischab, der auf eine anschließende Frage von Hermann Ertl, warum es kein Gesamtprojekt gebe, darlegte, dass nach den Förderrichtlinien eine Abschnittsbildung erfolgen müsse.
Adolf Stapfer stellte das mögliche Scheitern des Projektes und deren Folgen in den Raum. Die Regierung werde alles unternehmen, dass dies nicht geschehe, sagte Seischab dazu. Falls dies aber nicht gelänge müssten die Fördermittel vom Markt zurückbezahlt werden.
Einen anderen Aspekt brachte Dr. Rudolf Schwetlik zur Sprache, dem auch 3. Bürgermeister Andreas Resch beipflichtete: „Müsste bei der unsicheren Finanzierung in den Folgejahren nicht das Haupthaus als erster Bauabschnitt umgesetzt werden?“ Von Architekt Paukner wurde dazu der Standpunkt vertreten, dass dies wegen der Einsturzgefahr des Stadels zu zeitlichen Verzögerungen mit entsprechenden Risiken führen würde. Lorenz Schröter befürchtete zudem, dass nach einem ersten Bauabschnitt Haupthaus die Fortsetzung Stadel mit Fragezeichen versehen sei.
Christian Zinsberger machte eine Rechnung mit 5 Mio Euro Gesamtkosten auf. Trotz der auf 2,8 Mio reduzierten Summe, wie von Architekt Paukner richtig gestellt wurde, werde sich für die Gemeinde ein Millionengrab auftun, so Zinsberger. Dr. Edgar Wullinger sah dies anders: „Wir haben die Möglichkeit, ein ortsbildprägendes Gebäude in Ordnung zu bringen, wobei der Markt mit der Finanzierung gut weg kommt“. Bei einer Ablehnung der Maßnahme würde sich das Gremium blamieren.
Dazu kam es nicht, wenngleich auch nicht mit der von Bürgermeister Czech gewünschten „breiten Mehrheit“. Er war aber mit der Pro-Skulpturenmuseum getroffenen Enscheidung zufrieden: „Wir haben eine weitgehende Entscheidung getroffen, die im Sinne aller Beteiligten ist.“

Bildtext:
„Ja“ zum Skulpturenmuseum „Alte Post“ sagte der Marktgemeinderat, verbunden mit einer gemeindlichen Kostenbeteiligung von vorerst 100.000 Euro. Dies ist der Anteil für den ersten Bauabschnitt, die Sanierung und Umnutzung des Stadels (im Vordergrund), die Mitte nächsten Jahres beginnen soll.
Foto: Reiter